MIT WEISSEM WASSER BEDECKT

Vernissage: 19. Mai 2012 | 20 Uhr | raum13 Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste

Arbeiten von Gesine Grundmann und Heiko Räpple

Kuration: Dominik Mülhaupt

raum13 im Dialog mit Dominik Mülhaupt

Gesine Grundmann und Heiko Räpple nähern sich der zeitgenössischen Skulptur auf unterschiedliche Weise, obwohl sie beide die Materialität ihrer Arbeiten in den Vordergrund ihres Schaffens stellen.

Gesine Grundmann geht es um Verdichtung und zwar im Wortsinn aus Dichtung: mit wenigen Worten viel sagen. Einerseits stellt sie ihre Skulpturen in ihrer Materialität bewusst der fortschreitenden Entdinglichung unserer Welt durch die neuen Medien entgegen, andererseits sucht sie nach einer Synthese aus Zeitgenössischem und der visuellen Tradition.

In der Ausstellung zeigt Grundmann unter anderem fünf Kuben, hergestellt aus dünnem Wellpolyester, gestapelt zu einem turmartigen Gebilde. Das gelbliche mit grauen Sehnen durchzogene Weiß des ursprünglich glänzenden Materials wurde mattiert, wodurch der steinhafte Charakter, eine Marmorreferenz, verstärkt wird. Die Wellenstruktur der Platten schafft an den Schnittstellen der Seiten Interferenzen, dort, wo sich Längswelle und Querwelle treffen. Die Überlagerung entsteht formal wie konzeptuell, da die ein Millimeter starke Wellplatte transluzent ist und so ein Oszillieren zwischen leicht und schwer, wertvoll und billig sowie zwischen Massenproduktion und Handwerk bewirkt. Die Künstlerin verschleiert hier also die eigentliche Materalität und transformiert das Objekt in eine andere. Aufeinander gestellt addieren sich die einzeln gefertigten und damit leicht von einander abweichenden Kuben zu einer „endlosen Säule um eine sich leicht bewegende Wirbelsäule herum“ (Grundmann).

Heiko Räpples formale Überlegungen befassen sich mit Fragen der Dialektik bei der Herstellung einer Skulptur. Hauptpunkt hierbei ist die Innen-Außenthematik, also die Frage, ob die Negativform einer Skulptur vor dem Guss bereits als fertige Arbeit bestehen kann. Diese Frage beantwortet der Künstler mit einem klaren Ja. Das Dialektische in den Arbeiten trifft man auch in Form von Umwandlungen von Positiv/Negativ, Leicht/Schwer, Weich/Hart, Bewegung/Statik und wie gesagt on process und perfekt. Hier grenzt sich Räpple vom althergebrachten Skulpturen-Verständnis ab, er verweigert sich sozusagen der Überhöhung des Finishs gegenüber der Form an sich. Die inhaltlichen Komponenten sind Form, Material und Bewegung sowie die Auseinandersetzung mit den klassischen Vorgaben und deren Infrage-Stellung. Der Bezug zur klassischen Skulptur, also die anspruchsvolle Bearbeitung von künstlerischen und metaphysischen Fragestellungen, ist dagegen durch die Auswahl der beschreibenden, oft altgriechisch gewählten Titel erkennbar. Trotz seiner konzeptuellen Entfernung von klassischen Mustern der Bildhauerei liegen die Wurzeln von Heiko Räpples Arbeiten in der Tradition, die er mit seiner Arbeit in unsere Zeit, ins Zeitgenössische überführt. Gesine Grundmann und Heiko Räpple erweitern in verschiedenen Ansätzen und auf unterschiedlichen Wegen den althergebrachten Skulpturenbegriff. Erweitern deshalb, weil beider Arbeit auf der klassischen Lehre fußt, die von ihnen weiterentwickelt wird.

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