Marc Günther

Geboren am 18.12.1951 in Freiburg im Breisgau

1970 Abitur am dortigen Keplergymnasium

1971 - 1975 Studium in Heidelberg. Germanistik, Geschichte und Philosophie

1975 - 1976 Lehrer z.A. an der Gesamtschule in Mannheim-Herzogenried.

1976-1979 ging Günther als Regieassistent und Produktionsdramaturg ans Hessische Staatstheater Wiesbaden

1979- 1982 wechselt er ans Wuppertaler Stadttheater als Dramaturg. Erste kleine Inszenierungen. Er schreibt das Libretto zu Volker David Kirchners Oper “Das kalte Herz”, die in der Folge an vier Opernhäusern aufgeführt wird. Die Uraufführung erstellt er in Co-Regie mit dem Komponisten am Staatstheater Wiesbaden.

1982- 1983 Inszenierungen in der Münchner Freien Szene,. Er übersetzt Mariveauxs “Der Streit” für das Schauspiel Köln. Beginn seiner Zusammenarbeit mit dem deutsch-jüdischen Regisseur Benjamin Korn .

1983 holt ihn Adolf Dresen ans Frankfurter Schauspielhaus. Günther übersetzt für sein Haus weitere Stücke aus dem Französischen und dem Italienischen. Nach Dresens Weggang bleibt Günther unter Günter Rühle in Frankfurt. Er übernimmt dort mehrere Inszenierungen. Er bleibt bis 1990 in Frankfurt, gastiert allerdings auch als Dramaturg und Regisseur in Italien.

1990 folgt Günther der Anfrage, das Schauspielhaus in Graz zu übernehmen. Dort intensiviert er die Zusammenarbeit mit dem Steirischen Herbst. Im Laufe der zehn folgenden Jahre holt er junge Regisseure an sein Theater, von denen etliche dort entdeckt wurden und heute an den großen Häusern arbeiten. Martin Kusej, Stephan Kimmig, Thomas Bischoff, Leander Haußmann und auch Christoph Schlingensief, der seine erste große Theaterarbeit (Hurra Jesus) in Graz vorstellte. Werner Schwab und Franzobel gehörten zu den Autoren, die für Günther schrieben. Günther inszeniert hauptsächlich am eigenen Haus(ca. 35 Inszenierungen), beim Steirischen Herbst und gastiert mehrfach sehr erfolgreich am Schwesterhaus, der Grazer Oper (Fledermaus, Cavalleria, Bajazzo,Carmen). Im Rahmen eines Lehrauftrags der Wiener Akademie für Bühnenbild erarbeitet Günther zusammen mit Helmut Schödel einen Werner Schwab Abend für die Meisterklasse Erich Wonders. Im Jahre 2000 verlässt Günther auf eigenen Wunsch das Schauspielhaus Graz, das unter seiner Leitung auf eine durchschnittliche Platzausnutzung von über 80 Prozent zurückblicken konnte.
In seiner Grazer Zeit nahm er kontinuierlich an einem Management Trainingsseminar teil, um seine Fähigkeiten in Organisation und Mitarbeiterführung auszubauen.

2001 nach einem kurzen Gastspiel in Bozen (2000), wird ihm die Intendanz des Kölner Schauspielhauses angeboten. Er zögert, da durch mehrfach ungeklärte vertragliche Situationen, die durch das frühzeitige Ausscheiden seines Vorgängers Günter Krämer verursacht waren und durch den schlechten Zustand des Hauses (Platzausnutzung unter 50 %), die Aufgabe unlösbar schien. Von der inzwischen verstorbenen Kulturdezernentin Hüllenkremer überzeugt, schaffte es Günther, das zerstrittene Haus zu befrieden und zu konsolidieren, sowie die Platzausnutzung kontinuierlich bis auf über 70 % anzuheben und so die absoluten Besucherzahlen um über 50 % zu steigern. Zudem gelingt es ihm, trotz der radikalen Sparmaßnahmen, die die Stadt Köln 2004 kurzfristig wegen ihrer Finanznöte beschloss, zusammen mit seinem Kollegen Peter Raddatz und der Unterstützung privater Sponsoren, die in den 90ern abgeschaffte Sparte Tanz wieder in Köln zu etablieren. Mit Amanda Miller erarbeitet er 2006 einen Tanzabend(Fair is foul and foul is fair), der in der FAZ als richtungweisend für das neue Tanztheater geschätzt wird. Obwohl Kölns Budget nur noch knapp über dem von Essen lag, konnte er Regisseure wie Thalheimer, Petras, Gosch und Neuenfels an sein Haus holen, ohne seine Suche nach neuen Theaterhandschriften zu vernachlässigen. Friederike Heller, Dusan David Parisek, Amir Koohestani , Manos Tsangaris, Martin Wuttke u.a. seien stellvertretend genannt. Die Vernetzung mit der Lit Cologne, dem Kölner Literaturhaus, dem Diözesanmuseum, und vor allem mit der Kölner Freien Szene, mit der zusammen bis zur Teilschließung der Spielstätte ”Halle Kalk” über 90 verschiedene Produktionen gezeigt werden konnten, war ein wichtiger Teil des Konzepts. Zudem war er Vorsitzender des Vereins “Planet Kultur e.V.”, der sich aktiv um Integration und Förderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und schwierigem sozialen Umfeld bemüht.

Veranstaltungsreihen wie “Der politische Salon” mit Navid Kermani und “Der literarische Salon” mit Kermani und Guy Helminger, interdisziplinäre Produktionen mit Manos Tsangaris, der wie Kermani sich fest an das Kölner Schauspiel gebunden hat, enge Zusammenarbeit mit Schulen und Universität, rundeten das Programm.

Trotz der miserablen Finanzdecke(Köln stand damals mit seinen Pro-Kopf-Ausgaben für Kultur an 27. Stelle in der BRD, kurz hinter Magdeburg) , schloss kein Jahreshaushalt mit roten Zahlen ab, sondern konnte sogar zum Teil mit sechsstelligen Überschüssen wegen der unerwartet guten Einnahmen aufwarten

Seit Sommer 2007 arbeitet Günther als freier Regisseur und Autor:„König David- Zither und Schwert“ Libretto und Regie der Kammeroper mit dem Komponisten Uros Rojko, aufgezeichnet vom slovenischen TV, „Die Bibel – AT“, Stück für einen Schauspieler und einen Chor, UA 2010 in Südtirol, „Alice im Wunderland“, „Don Quijote“ etc. Bei den Schlossfestspielen 2009 in Ettlingen inszenierte Günther einen ungewöhnlichen und ungewöhnlich erfolgreichen „Faust I“.